Grundwissen Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin - Ortrun Riha

Grundwissen Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin (eBook)
Autor:
Ortrun Riha
Verlag:
Verlag Hans Huber
Jahr:
2008 (1. Auflage)
Seiten:
189 Seiten
Produktart:
eBooks / eBook Download
Format:
ISBN/EAN:
978-3-456-94181-3
Auflage:
1. Auflage
Sprache:
deutsch
Kategorie:
Allgemeines/Lexika
ISBN-10:
3-456-94181-1 / 3456941811
ISBN-13:
978-3-456-94181-3 / 9783456941813
Kundenbewertung:
Lese- / Medienprobe:
Weitere Informationen von "Grundwissen Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin":
In kompakter Form werden in diesem Buch die wichtigsten Entwicklungslinien, die grundlegenden Problemstellungen und die zentralen Begriffe aus Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin vorgestellt.
Auf Empfehlung des Wissenschaftsrats wurde der Querschnittsbereich Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin als benotetes Pflichtfach für Medizinstudierende in der ärztlichen Approbationsordnung verankert. Damit sollen einerseits die historischen, geistigen und kulturellen Grundlagen der Heilkunde verstärkte Aufmerksamkeit gewinnen, anderseits wird dem gestiegenen öffentlichen Interesse an medizin- und bioethischen Fragen Rechnung getragen.
Textauszüge von "Grundwissen Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin":
1 Medizintheoretische Grundlagen (S. 13-14) - ,Was ist der Forschungsgegenstand derMedizintheorie? - ,Welche medizinischen Konzepte und Ätiologien gibt es? - ,Auf welchen erkenntnistheoretischen Vorannahmen beruhen diese Konzepte? - ,Wie kommt die naturwissenschaftlich basierte Medizin (im Unterschied zu traditionellen Heilweisen) zu ihren Erkenntnissen? - ,Was bedeutet science of medicine, was art of medicine? 1.1 Medizin als Anwendung von Arbeitshypothesen Unter den verschiedenenWissenschaften hat dieMedizin einen besonderen Status: Sie ist keine (angewandte) Naturwissenschaft und gehört erst recht nicht zu den Geisteswissenschaften, auch wenn sie Elemente beider Wissenschaftsarten enthält.
Wegen ihrer zweckhaften Ausrichtung auf die Behandlung jeweils eines bestimmten leidenden Menschen (homo patiens) wurde sie als Handlungswissenschaft bezeichnet. Als solche ist sie gekennzeichnet durch ständigeWechselwirkungen zwischen Theorie und Praxis sowie durch den Zwang zur Überprüfung der Erfolge und zur Rechtfertigung der Misserfolge. In der Handlungswissenschaft Medizin gilt «Wer heilt, hat recht», und tatsächlich ist es in gewissen Grenzen möglich, vordergründig empirisch und ohne theoretische Fundierung Medizin zu betreiben, wenn man das Prinzip von Versuch und Irrtum anwendet und ggf. mit statistischen Methoden kombiniert. Deshalb neigen viele Mediziner dazu, unkritisch das heutigeWissen und die gegenwärtige Praxis für das einzige Mögliche und «objektiv» Richtige zu halten. Die Medizintheorie dagegen betrachtet die aktuelle westliche Heilkunde als eine von vielen und als ein Konglomerat aus verschiedenen Arbeitshypothesen undModellen, sie interessiert sich dafür, wie und warum wir uns im «praktischen Vollzug» von «Wissenschaft» für bestimmte Optionen entscheiden und andere verwerfen. Medizintheorie beschreibt dabei auch das «Wissensdilemma», das darin besteht, dass nicht das gesamte zu einer Zeit grundsätzlich verfügbare Wissen im konkreten Fall auch tatsächlich zur Verfügung steht, sowie die «erkenntnistheoretische Kluft» zwischen biomedizinischem Grundlagenwissen und klinischem Handeln. Die Theorie der Medizin besteht aus vier Gebieten: der Wissenschaftstheorie, der Praxistheorie, der Werttheorie sowie der Wissenschaftsforschung der Medizin. Die Wissenschaftstheorie der Medizin untersucht das ärztliche Erkennen, Forschen und Wissen unter logisch-analytischen, erkenntnistheoretischen und methodologischen Aspekten: Was ist eine medizinische Theorie, wie entsteht sie, wie wird sie begründet und widerlegt, was macht «Wissenschaftlichkeit» aus, was bedeutet «Erfahrung» usw.? Die Praxistheorie der Medizin befasst sich mit den logisch-analytischen, handlungstheoretischen und methodologischen Grundlagen des ärztlichen Handelns in seinem jeweiligen Kontext: Was ist Krankheit, was ist eine Diagnose, wie wird sie bestätigt, warum ist sie manchmal falsch, was ist ein diagnostischer Widerspruch, wie gelangt man vom Wissen zum Handeln usw.? Beide Richtungen lehnen sich teilweise in Fragestellung, Begrifflichkeit und Vorgehensweise an die Allgemeine Wissenschaftstheorie als ein etabliertes Teilgebiet der Philosophie an, wollen jedoch ihre Erkenntnisse für die Medizin konkret nutzbar machen (wenn auch bisher mit geringer Resonanz). Die Werttheorie der Medizin umfasst die Medizinische Ethik und Metaethik, wovon im dritten Teil dieses Lehrbuchs die Rede sein wird, die Deutungsoffenheit der grundlegenden, aber in der Medizin normativen Begriffe Gesundheit und Krankheit bildet hier eine wichtige Schnittstelle. Die Wissenschaftsforschung der Medizin untersucht empirisch die Entstehung des medizinischen Wissens sowie des diagnostischen und therapeutischen Vorgehens. Sofern die methodische Annäherung über historische Quellen erfolgt, schließt dies dieMedizingeschichte ein. Unter dieser Perspektive erscheint der Begriff «Krankheit» als ein soziales Phänomen mit Konstruktcharakter, das in einen bestimmten historischen Kontext eingebunden (Historizität), kulturabhängig und einem ständigen Wandel unterworfen ist. Das Gleiche gilt für die Akteure und das von ihnen erwartete Verhalten. Das medizinische Handeln lässt sich zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen kulturellen Kontexten auf die Umsetzung einer überschaubaren Zahl von Konzepten zurückführen, wobei der Wortbestandteil «Iatro-» die spezifisch medizinische Ausrichtung anzeigen soll (siehe Tab. 1-1).
Fachgebiete:
Weitere Informationen zu "Grundwissen Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin"
Auflage:
1. Auflage
Sprache:
deutsch
Kategorie:
Allgemeines/Lexika
ISBN-10:
3-456-94181-1 / 3456941811
ISBN-13:
978-3-456-94181-3 / 9783456941813
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Größe: 1,2 MB
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