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Ein Pließnig gibt nie auf -  Renate Riedel,  Peter Koletzki

Ein Pließnig gibt nie auf (eBook)

Die Geschichte von Ludwig und Lieselotte Pließnig
eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
116 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7557-0519-2 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
10,99 inkl. MwSt
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Ludwig Pließnig verschlug es von Kärnten, wo er zu Hause war, ins ferne Mecklenburg. Hier fand er sein Glück und heiratete Lieselotte Münster. Die beiden bekamen drei Kinder. Eines der Kinder, Renate Riedel, hat zusammen mit dem Hamburger Autor Peter Koletzki die Familiengeschichte aufgeschrieben.

Peter Koletzki ist Verfasser von zwei Büchern: "Das Leben der Ursula Schulz. Auf den Spuren meiner Mutter" und "Das ist unser Geheimnis. Erinnerungen eines Hamburger Jungen". Beide Bücher sind bei BOD erschienen.

Ludwig Pließnig, 1908 in Treffling am Millstätter See
geboren, war in Kärnten zu Hause, bis er als
junger Mann im fernen Mecklenburg sein Glück fand.

Ludwig Pließnig


Alles begann mit Ludwig Pließnig, der am 29. Juli 1874 in Kirchheim geboren wurde und zweiunddreißig Jahre später, am 14. Januar 1907, im Pfarramt der Kirche St. Leonhard Theresia Scheiflinger heiratete. Die beiden bekamen einen Sohn, den sie ebenfalls Ludwig nannten – und der mein Vater wurde. Er kam am 23. Juli 1908 auf die Welt. In damaligen Zeiten gab es überwiegend Hausgeburten, zumal in kleinen Ortschaften wie Treffling, einem Kirchdorf in der Gemeinde Seeboden am Millstätter See. Der Ort befindet sich im Bezirk Spittal an der Drau und liegt im österreichischen Bundesland Kärnten.

Mein Vater erblickte das Licht der Welt mithilfe einer freundlichen und erfahrenen Nachbarin.

Der Familienname der Pließnigs könnte sich aus dem Wort „Plias“ ableiten: der auf dem Hügel wohnt. Ebenso könnte er sich jedoch von den abgefallenen Tannennadeln der Fichte oder Rottanne ableiten, die man in Kärnten auch „Pließen“ nennt.

Die Schreibweise des Namens wurde im Laufe der Zeit immer wieder leicht verändert. Mal Pließnig, dann Pliessnings, dann Bließnig. Es hat den Anschein, dass jeder Pfarrer oder Beamte, der eine schriftliche Eintragung zu machen hatte, den Namen nach Belieben oder nach Gehör in den amtlichen Büchern notierte.

Ludwig hatte das Glück, schon in jungen Jahren insbesondere durch seinen Großvater Andreas die Geschichte Kärntens mit zahlreichen Beispielen und geschichtlichen Anekdoten vermittelt zu bekommen. Man muss das wissen, um die Entwicklung des Jungen zu verstehen, seine Geisteshaltung und seine nie enden wollende Liebe zur Heimat.

Für den Großvater war es eine Ehrensache, seinem Enkel die Geschichte der Familie Pließnig näher zu bringen, die sich bis ins Jahr 1743 zurückverfolgen lässt.

Kärnten war eine Durchzugsregion vieler verschiedener Völkerstämme. Im Jahre 590 kamen slawische Stämme in das Gebiet. Sie zogen weiter nach Westen, wurden 610 von den Bajuwaren geschlagen und wären in Vergessenheit geraten, wenn es nicht die Geschichte der Stadt Teurnia gegeben hätte.

Teurnia war eine römische Stadt, ganz in der Nähe des Geburtsorts von Ludwig gelegen. Bereits 1100 v. Chr. gab es dort erste Ansiedlungen. Etwa 50 n. Chr. errichteten die dort ansässigen Römer Tempelanlagen, Wohnterrassen und Thermalanlagen nach dem Vorbild der römischen Besitzungen. Die Wasserversorgung erfolgte über Kanäle, sogar eine Äquaduktbrücke wurde gebaut. Auf dem Höhepunkt der geschichtlichen Blüte der Stadt lebten dort mehr als 30.000 Einwohner. Die überwiegende Mehrheit der Menschen waren bereits damals Christen.

Die Stadt war mehr als 200 Jahre lang Bischofssitz. Im Jahre 591 endet die Erwähnung der Stadt. Man nimmt an, dass kriegerische Auseinandersetzungen durch die slawischen Stämme zu ihrer Zerstörung führten.

In den folgenden Jahrhunderten wurde Kärnten immer wieder von Kriegen mit den Türken und von Bauernrevolten heimgesucht. Am nachhaltigsten aber waren die Auswirkungen der religiösen Auseinandersetzungen, die mit Reformation und Gegenreformation in der Zeit um 1600 unglaublich viel Leid und Elend über die Region brachten.

Völlig willkürlich mussten Menschen ihres Glaubens wegen in kürzester Zeit, mitunter innerhalb weniger Tage, Haus und Hof verlassen und wurden in andere Gebiete abgeschoben und vertrieben. Sogenannte Fehdebescheinigungen wurden ausgestellt. Die Fehde war eine amtliche Bescheinigung, die der betreffenden Person den Grenzübertritt und das Passieren fremder Territorien ermöglichen sollte. Man wollte diese Andersgläubigen möglichst schnell loswerden. Die vertriebenen Protestanten hatten keinerlei Möglichkeit, sich gegen diese Ausweisungen zu wehren, ihr Besitz wurde verkauft. Besonders schmerzlich war, dass die Familien auseinandergerissen wurden: In den meisten Fällen durften die eigenen Kinder bei den Vertreibungen nicht mitgenommen werden.

Ketzerische Bücher wurden verbrannt, die Menschen mussten ihrem protestantischen Glauben abschwören.

Die meisten der Ausgewiesenen ließen sich in Bayern und anderen nahe gelegenen Gebieten nieder. Aber die Auswirkungen der Gegenreformation waren erheblich. Der wirtschaftliche Niedergang der Region war nicht aufzuhalten. Zu viele tüchtige Menschen, die der Gegend einst ihren Reichtum gebracht hatten, wurden vertrieben. Not und Elend kehrten ein.

Und trotzdem gab es Menschen, die sich gegen diese Repressalien wehrten. Es gab einen sogenannten Geheimprotestantismus, der sich stark verbreitete, was einen kaiserlichen Beamten zu der Aussage animierte: „Beinahe ganz Oberkärnten ist mit unkatholischem Volk untermischt.“

Auch die Französische Revolution verschonte Kärnten nicht. Am 27. März 1797 eroberten die napoleonischen Truppen Klagenfurt. In der Folgezeit leisteten die Kärntner verhaltenen Widerstand, wurden dafür jedoch hart bestraft.

Seit etwa 1200 Jahren ist Kärnten ein südliches Grenzland zum Deutschen Reich und als solches seit über 1000 Jahren ein selbstständiges Herzogtum mit rein germanisch-deutscher Vergangenheit. Doch die Österreicher begehrten immer wieder auf gegen die fremde Herrschaft.

Im Jahre 1809 führte der Gastwirt Andreas Hofer aus Sandhof bei St. Leonhard in Passeier Tiroler Aufständische an und kämpfte gegen die französische und bayerische Besatzung. Im April kam es zu einer Schlacht gegen die bayerisch-französischen Truppen, mit dem Ergebnis, dass die siegreichen Tiroler Streitkräfte in Innsbruck einzogen.

Auch die nächste Schlacht am 13. August bei Bergisel wurde von den Tirolern erfolgreich beendet, mehr als 15.000 Soldaten des Tiroler Landsturms waren den bayerischen, sächsischen und französischen Soldaten gegenübergestanden.

Am 1. November 1809 wendete sich jedoch das Blatt. Bei einer erneuten kriegerischen Auseinandersetzung kam es zu einer Niederlage für die Tiroler Aufständischen. Andreas Hofer musste flüchten. Er wurde verraten, am 28. Januar 1810 von französischen Soldaten gefangen genommen und am 20. Februar in Mantua von einem Erschießungskommando hingerichtet.

Doch Andreas Hofer blieb ein Volksheld. Das Andreas-Hofer-Lied gilt bis heute als Landeshymne des österreichischen Bundeslands Tirol.

In der 1867 gebildeten Doppelmonarchie Österreich-Ungarn spielte Kärnten eine wichtige Rolle. Die einheimische Industrie hatte schon seit Jahrhunderten Bergbau betrieben.

Kärnten ist ein Hochgebirgsland, aber auch ein Bauernland. Wilde Berge mit einsam gelegenen Almen, sanfte, fruchtbare Täler und herrliche Seen bestimmen die Landschaft. Die Bergbauern bestellen hoch oben auf den steilen, kargen Hängen die Böden. In den weiten und schmalen Flusstälern wechseln Dörfer und kleine Ortschaften einander ab. Im Kärntner Oberland sind die Berge das Beherrschende, und hier waren die Pließnigs zu Hause.

Der kleine Ludwig hatte nicht nur den schon erwähnten Großvater Andreas an seiner Seite, sondern auch noch dessen Bruder Mathias, den „Hois“.

Es hatte fast den Anschein, als würden sich die beiden Männer darin übertreffen wollen, den kleinen Ludwig mit Wissen zu versorgen. Kaum dass er laufen konnte, zeigten sie ihm schon die nähere Umgebung. Sie lehrten ihn, die Natur zu entdecken, die Bäume, Gräser, Pflanzen aller Art, aber auch die Tierwelt. Voller Freude merkten sie, wie schnell der kleine Bub lernte und wie er wissbegieriger wurde Tag für Tag. Manches Mal mochte es gar zu viel gewesen sein, wenn sie alle ein wenig erschöpft nach Hause kamen und dem Kleinen die Beinchen schmerzten.

Es mangelte nicht an Lehrern für Ludwig. Auch die Eltern, jeder auf seine Weise, spielten natürlich eine große Rolle. Die Mutter führte den Haushalt, mit Umsicht versorgte sie die Familie mit den Früchten der Natur, die sie sammelte, verarbeitete und einmachte, immer mit dem Hinweis auf mögliche schlechte Zeiten, für die es vorzusorgen galt.

Ludwig bekam noch vier Geschwister. Theresia kam 1909 auf die Welt, die nächste war Stefanie im Jahre 1911, dann folgten Hermine und als Nesthäkchen Bruder Albert im Jahre 1913. Fünf Kinder in fünf Jahren, was das für die Mutter bedeutete, mag man sich kaum ausmalen. Es verwundert nicht, dass mit Familie und Haushalt ihr Tag bis auf die letzte Minute ausgelastet war. Hinzu kam die Hilfe auf den Feldern und bei den Obst- und Gemüsebeeten, die mit viel Aufwand gepflegt werden mussten.

Das Familienleben war von ganz besonderer Bedeutung. Dabei durften auch die Paten – als Gotta bezeichnete man die weibliche Patin, als Götte den männlichen Paten – nicht fehlen. Sie spielten in der Entwicklung der Kinder eine ganz wichtige Rolle.

Ludwigs Patenschaft wurde von den Bernhard-Bauern übernommen, gute und verlässliche Nachbarn und Freunde. Hier ging alles Hand in Hand. Die Traditionen wurden gepflegt, man half sich gegenseitig auf den...

Erscheint lt. Verlag 4.1.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
ISBN-10 3-7557-0519-2 / 3755705192
ISBN-13 978-3-7557-0519-2 / 9783755705192
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