Jerusalem
DVA (Verlag)
978-3-421-04465-5 (ISBN)
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Keine Stadt ist wie Jerusalem, so verehrt, so heilig und so umkämpft. Mehr als 4000 Jahre Geschichte lasten auf dieser alten Metropole des Glaubens, in der drei Religionen und zwei Völker konkurrieren – und bis heute keinen Frieden finden. Gemeinsam mit renommierten Wissenschaftlern schildern "Spiegel"-Autoren die bewegte Geschichte dieses magischen Ortes und beschreiben die Bedeutung Jerusalems als Geburtsstadt des Glaubens und Brennpunkt des Nahostkonflikts.
Der eine Gott und viele Kriege haben Jerusalem zu einer Stadt gemacht, die buchstäblich weltbewegend ist. Für gläubige Juden, Christen und Muslime ist die Stadtlandschaft Jerusalems ein unvergleichlicher Ort der Heiligkeit, um den bis heute erbittert gekämpft wird. Von der Machtübernahme des biblischen Königs David über die Eroberung durch die Römer und die Kreuzzüge im Mittelalter bis zum aktuellen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern – die Feldzüge gegen Jerusalem waren immer auch Glaubenskriege, in denen die eine Religion über die andere triumphierte.
Aus unterschiedlichsten Blickwinkeln erzählen "Spiegel"-Autoren und angesehene Forscher die Geschichte dieser faszinierenden Stadt. Sie besuchen die heiligen Stätten der drei monotheistischen Weltreligionen, porträtieren berühmte Stadtherrscher und beleuchten die religiösen und machtpolitischen Ursprünge, aber auch die Mythen und Legenden, die sich um Jerusalem, den Sehnsuchtsort vieler Künstler, Pilger und Reisender, ranken.
• Gut lesbare Überblicksdarstellung
• Beiträge von SPIEGEL-Redakteuren und renommierten Wissenschaftlern wie den Historikern Tom Segev und Dan Diner, der Arabistin Angelika Neuwirth oder dem Archäologen Dieter Vieweger
• Mit zahlreichen Karten, Grafiken und Abbildungen
Dietmar Pieper, geboren 1963, studierte Literaturwissenschaft und arbeitet seit 1989 beim SPIEGEL, von 2001 bis 2008 als einer der Leiter des Ressorts Deutsche Politik in Hamburg. Seitdem ist er Ressortleiter für die Heftreihen SPIEGEL GESCHICHTE und SPIEGEL WISSEN. Bei DVA hat er unter anderem die SPIEGEL-Bücher "Karl der Große" und "Die Herrschaft der Zaren" (beide 2013) herausgegeben.
An der gro?n Stra? vom Damaskus-Tor immer geradeaus nach Norden, die in Jerusalem alle nur "Road No. 1" nennen, steht eine alte, von Olivenb?en ums?te Villa. Ihre einstige orientalische Pracht l?t sich noch gut erahnen. Doch der pfirsichfarbene Sandstein ist zerschossen, die Fenster mit den maurischen B?gen sind zu Schie?charten vernagelt. Hinter diesen Sehschlitzen kauerten jahrelang israelische Soldaten, die M?ndungen ihrer Gewehre auf jordanische Soldaten gerichtet, die auf der anderen Seite der Stra? Posten bezogen hatten. Von 1948 bis 1967 war der Ostteil Jerusalems jordanisch besetzt, die sch?ne arabische Villa war beschlagnahmt und diente den Israelis als Milit?osten am Todesstreifen, der sich durch die geteilte Stadt zog. Heute ist das umk?fte Haus ein Museum f?r Dialog - und ein Mahnmal vergangener Kriege. Jerusalem ist voll solcher Spuren einer Geschichte, die vor allem eine Historie von Krieg und Konflikt ist. In den Mauern des alten Rathauses, und nicht nur dort, sind bis heute die Einschussl?cher der erbitterten K?fe um Jerusalem zu sehen. Zum israelischen Nationalfeiertag werden jedes Jahr die Reste gepanzerter Fahrzeuge aus dem Krieg von 1948, die in den H?en an der Stra? hinauf nach Jerusalem liegen, mit F?chen und Blumen geschm?ckt. Auch auf dem "Ammunition Hill", wo die israelische Armee im Juni 1967 in blutigem Nahkampf den Ring der Jordanier durchbrach, wird die Erinnerung wachgehalten: Dort ist ein Freilichtmuseum mit jordanischen Bunkern, Original-Sch?tzengr?n und dem Sherman-Panzer, mit dem die Israelis den Gegner in Panik versetzten. F?r israelische Rekruten geh?rt der Besuch hier zum Pflichtprogramm. Mit Jordanien hat der j?dische Staat Frieden geschlossen, doch Jerusalem ist noch immer nicht befriedet. Das zeigen schon die israelischen Soldaten, die durch die engen Gassen der Altstadt patrouillieren. Wer zur Klagemauer will, muss eine Sicherheitsschleuse passieren. Die Stra?n ins benachbarte pal?inensische Betlehem oder Ramallah sind mit Checkpoints, Mauer und Stacheldraht abgesperrt. Es ist noch nicht lange her, dass Bomben pal?inensischer Selbstmordattent?r in den Kaffeeh?ern und Bussen der Stadt explodierten. Zwei V?lker, Israelis und Pal?inenser, begehren Jerusalem als ihre Hauptstadt. Doch wie sie die Stadt teilen sollen, ist ungel?st. Hunderte von Diplomaten, immer neue Minister und Pr?denten haben sich daran versucht und sind gescheitert. So wurde Jerusalem zur Crux der Weltpolitik. Schon als die Uno 1947 beschloss, Pal?ina in einen j?dischen und einen arabischen Staat zu teilen, wusste sie nicht, wem sie Jerusalem geben sollte - als "corpus separatum", getrennte Einheit, wollte sie die Heilige Stadt deshalb unter internationale Kontrolle stellen. Tats?lich teilen sich bisher nirgends auf der Welt zwei Staaten eine Hauptstadt. Nirgends sonst prallen die nationalen Interessen zweier V?lker derart aufeinander. Doch der israelisch-pal?inensische Konflikt ist nur die letzte Eruption in einer langen Chronik der Gewalt, die Jerusalems Geschichte durchzieht. Dutzende Male wurde die "ber?hmteste Stadt der Welt", wie der britische Premier David Lloyd George sie Anfang des vorigen Jahrhunderts nannte, belagert oder erobert, zweimal zerst?rt. Die Gewalt pflanzte sich fort ?ber die Jahrhunderte wie in einer "Trag?die ohne Katharsis", so der j?dische Schriftsteller Arthur Koestler. Auf die israelitischen K?nige folgten Babylonier, Griechen und R?mer, die christlichen Byzantiner beherrschten die Stadt gut 300 Jahre, bis sie die Macht an die Herren eines neuen Glaubens, des Islam, verloren. Sie sollten am l?sten herrschen, rund 1200 Jahre. Jerusalem ist den drei monotheistischen Religionen heilig, nirgends sonst liegen St?en h?chster Verehrung so nah beieinander. Winzigkeiten k?nnen das heikle Gef?ge der Koexistenz aus den Angeln heben - wie der Wandschirm, den orthodoxe Juden 1928 an der Klagemauer aufgestellt hatten, um M?er und Frauen beim Gebet zu trennen. Das l?ste blutige Tumulte mit den Muslimen aus, die ihrerseits die Mauer beanspruchen. Dort soll nach der Legende der Prophet Mohammed sein Pferd angebunden haben, als er von Jerusalem einst gen Himmel aufstieg. Die Feldz?ge gegen Jerusalem waren immer auch Glaubenskriege, in denen die siegreiche Religion ?ber die unterlegene triumphierte - und die Reliquien der Verlierer oftmals als Kriegsbeute wegschleppte. Der r?mische Feldherr Titus lie?70 n. Chr. den j?dischen Tempelleuchter im Triumphzug nach Rom bringen, die Perser rissen 614 auch die Kreuzreliquie an sich - angeblich ein Originalst?ck der Balken, an denen Jesus starb. Als die Byzantiner sich die Stadt 14 Jahre sp?r zur?ckholten, erk?ften sie auch das angebetete Holzteil. Die Kreuzritter erkl?en Jerusalem den "Heiligen Krieg", als sie 1099 die Stadt st?rmten, um sie den "Ungl?igen" zu entrei?n, wobei sie Juden und Muslime zu Tausenden massakrierten. Als Dschihad galt auch den muslimischen Truppen unter Saladin die Befreiung Jerusalems von den Kreuzfahrern, ihre Herrschaft dort als Akt des Glaubens. In dem "fanatischen Wunsch, Jerusalem zu besitzen", sagt der israelische Schriftsteller Meir Shalev, gehe es auch darum zu zeigen, "wer die wahre Religion besitzt". Wer siegte, w?te Gott auf seiner Seite. Und so deutete der j?dische Geschichtsschreiber Flavius Josephus, der als Kommandeur von den R?mern gefangengenommen wurde und zu ihnen ?berlief, das siegreiche r?mische Heer als Instrument Gottes. Seine Landsleute bedr?te er zu erkennen, "dass die Gottheit aus dem Allerheiligsten geflohen ist und jetzt auf der Seite derer steht, die ihr bek?ft". Als Historiograf der R?mer schildert Josephus ausf?hrlich die Greuel der radikalen j?dischen Zeloten, aber wohl aus Abschreckungsgr?nden auch die Schrecken der r?mischen Belagerung. Die Hungersnot machte Menschen zu Bestien. Die Soldaten Roms steckten den Tempel in Brand, "gegen den Willen des Titus", behauptet Josephus. Dann "raubten sie, was sie fanden, und t?teten, die ihnen in die H?e fielen". Vor lauter Leichen sah man den Boden nicht mehr. Jeder Eroberer ver?erte die Stadt nach seinem Bilde -und seiner Religion. Der griechische Herrscher Antiochus IV. etwa gab Jerusalem 168 v. Chr. ein hellenistisches Gesicht mit Ringerschule und Kadettenanstalt; die Beachtung des j?dischen Sabbat, die rituelle Beschneidung wurden bei Todesstrafe verboten. Unter Hadrian wurde Jerusalem 135 zur rein r?mischen Stadt "Aelia Capitolina". Die christlichen Kaiser bauten Kirchen, den Tempelberg lie?n sie zum Schuttplatz verkommen - als "sinnf?iges Zeichen f?r die Verwerfung des Judentums durch Gott", so der Bamberger Alttestamentler Klaus Bieberstein. Alle bauten ihre Gottesh?er so frappierend dicht beieinander, manchmal ?bereinander, als wollten alle dasselbe Heiligtum besetzen.
| Erscheint lt. Verlag | 11.11.2009 |
|---|---|
| Zusatzinfo | mit Abbildungen |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 135 x 215 mm |
| Gewicht | 500 g |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik |
| Schlagworte | Jerusalem, Geschichte • Nahostkonflikt |
| ISBN-10 | 3-421-04465-1 / 3421044651 |
| ISBN-13 | 978-3-421-04465-5 / 9783421044655 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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