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Psychiatrie und Gesellschaft (eBook)

Psychiatrische Einweisungspraxis im »Dritten Reich«, in der DDR und der Bundesrepublik 1941-1963
eBook Download: PDF
2017 | 1. Auflage
365 Seiten
Vandenhoeck & Ruprecht Unipress (Verlag)
978-3-647-35200-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Psychiatrie und Gesellschaft -  Stefanie Coché
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Die Studie befasst sich aus vergleichender Perspektive mit der Geschichte der Psychiatrie im Nationalsozialismus, der Bundesrepublik und der DDR im Zeitraum von 1941 bis 1963. Im Mittelpunkt der Studie steht die Praxis der Einweisung in psychiatrische Anstalten, die als Prozess der Abgrenzung und der Definition gesellschaftlicher Normalitätsstandards ex negativo begriffen wird. Psychiatrische Anstalten eignen sich in besonderem Maße als Untersuchungsobjekt, da sie Menschen, die auf unterschiedliche Weise den zeitspezifischen Normalitätserwartungen nicht entsprechen, von der »Gesellschaft« trennen. Die besondere Relevanz der Frage, ob ein Mensch (zwangs-)psychiatrisiert und in eine Anstalt eingewiesen wird, liegt darin, dass es sich hierbei um eine der folgenreichsten »Verhandlungen« über Normalität in modernen Gesellschaften handelt. In diesem Prozess wird über die Freiheit, Autonomie und Lebenschancen von Individuen ebenso befunden wie über das gesellschaftliche Verständnis von Krankheit und Gesundheit, Normalität, Sicherheit und »Sittlichkeit«. Diese Studie rekonstruiert die psychiatrische Einweisungspraxis auf der Grundlage von 1424 Patientenakten, Regularien, Kostendiskussionen sowie psychiatrischen Lehrbüchern und Zeitschriften. Über eine Kombination wissenschafts-, justiz- und alltagsgeschichtlicher Perspektiven leistet sie einen Beitrag zur deutschen Gesellschaftsgeschichte, indem sie die Verhältnisse in beiden »totalitären« Diktaturen und der westdeutschen Nachkriegsdemokratie im Zusammenhang thematisiert.

Dr. Stefanie Coché ist Akademische Rätin am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Dr. Stefanie Coché ist Akademische Rätin am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Title Page 4
Copyright 5
Table of Contents 6
Body 10
Einleitung 10
1. Thema und Untersuchungszeitraum 10
2. Untersuchungsgegenstand – Beschreibung und Eingrenzung 17
3. Methodischer Ansatz, Thesen- und Forschungskomplexe, Aufbau der Arbeit 21
4. Quellen 34
Kapitel I: Historische Rahmenbedingungen der Einweisungspraxis – Psychiatrie, Staat und Gesellschaft bis 1941 40
1. Anstalts- und Kliniktypen 40
2. Zur Funktion der Psychiatrie 43
3. Psychiatrie als Lieferant für staatlich angewandtes Wissen 49
4. Psychiatrisches Wissen als Deutungsfolie für gesellschaftliche Probleme 53
5. Veränderungen in der NS-Zeit bis 1941 und Beginn der Krankenmorde 56
Kapitel II: Staat und Psychiatrie – Rahmenbedingungen und Einweisungsentscheidungen 60
1. Krankenmord und Mangel: Die Einweisungspraxis im Zweiten Weltkrieg 61
1.1 Betroffene und Ärzte bei der Einweisung 64
1.2 Initiierung von Einweisungen durch Angehörige 68
2. Die Einweisungspraxis in der »Zusammenbruchgesellschaft« (1945–1949) 76
3. Neue Wege, fehlende Plätze: Die Einweisungspraxis in der DDR 82
3.1 Unterfinanzierung und Platzproblematik 83
3.2 Veränderungen der Einweisungswege durch Polikliniken und Fachärztegremien 88
4. Strittige Psychiatrie-Funktion und Einweisungspraxis in der Bundesrepublik 94
4.1 Wer gehört in die Anstalt? Diskussionen um Kosten und das Verhältnis von Sicherheit und Krankheit 95
4.2 Patientinnen und Patienten zwischen Ärzten, Verwandten und überfüllten Kliniken 101
5. Zwischen Freiwilligkeit und Zwang, Hilfe und Verwahrung: Einweisungen aus Sicht der Patientinnen und Patienten in der NS-Zeit, DDR und Bundesrepublik 106
6. Zusammenfassung: Rahmenbedingungen, Akteure und Funktion der Anstalt im Vergleich 111
Kapitel III: Gefahr und Sicherheit – Zur Praxis der Zwangseinweisung 114
1. »Gefährdung der öffentlichen Sicherheit«? Zwangseinweisungen im Zweiten Weltkrieg 117
1.1 Soldaten-Einweisungen an Front und »Heimatfront« 119
1.2 Alte Menschen als Gefahr: Radikalisierung der Einweisungspraxis durch Institutionen und soziales Umfeld 122
1.3 Sicherheit, Sexualität und Arbeit: Einweisungen von »asozialen Psychopathinnen« 130
1.4 Interpretation: Zwangseinweisungen im Krieg 138
2. Regelfreier Raum: Die neue Macht der Ärzte und Angehörigen in der DDR 140
2.1 Die Regelung der Zwangseinweisung in der DDR 141
2.2 Ansprüche und Entscheidungen: Die Praxis-Koalition von Anstaltsärzten und Familien 146
3. Richterliche Zwangseinweisung: Neuregelungen und ihre Umsetzung in der Bundesrepublik 151
3.1 Die Neuregelung und ihre Akzeptanz 151
3.2 Informelle Vor-Entscheidungen durch Familien und Ärzte 158
4. Zusammenfassung: Zwangseinweisungspraktiken im Vergleich 161
Kapitel IV: Krankheit und Diagnostik – Medizinische Aspekte der Einweisung 164
1. Der Psychiater als Kenner: Diagnoseklassifikationen und das Krankheitsbild Schizophrenie in der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik 169
1.1 Der Würzburger Schlüssel als Diagnoseraster im »Dritten Reich« 169
1.2 Praxis, Tradition, Lokalwissen: Die Diagnostik-Debatte in der Bundesrepublik 172
1.3 Kontinuitäten und Brüche bei Schizophrenie-Diagnosen in der Bundesrepublik 185
2. Zwischen Tradition, Pavlov und WHO: Vielfältige Diagnoseklassifikationen und das Krankheitsbild Schizophrenie in der DDR 191
2.1 Ärztliche Stellungnahmen zu Diagnoserastern 191
2.2 Schizophrenie zwischen Tradition und Pavlov 197
3. Diagnosepraxis in der Bundesrepublik und der DDR 200
3.1 Psychiater untereinander 201
3.2 Psychiater und andere Ärzte 206
4. Das Verhältnis von Arzt und Patientin/Patient 209
4.1 Informationsfluss von der Familie in die Institution 209
4.2 Ärztliche Diagnosen und Laiendiagnosen 213
4.3 Briefwechsel zwischen Laien und Ärzten 216
4.4 Wissenszirkulation zwischen Ost und West: Laien-Forderungen nach »westlichen« Behandlungsstandards 224
5. Zusammenfassung: Krankheit und Diagnostik im Vergleich 228
Kapitel V: Arbeit und Leistung – Arbeitsfähigkeit und -unfähigkeit in der Einweisungsargumentation 230
1. An der Schwelle: Arbeit und Anstaltsbedürftigkeit 1941–1963 233
1.1 Inklusion und Exklusion: Arbeit in den Einweisungsargumentationen der Familien im Krieg 233
1.2 Arbeitskraft wiederherstellen, Arbeitsabläufe sicherstellen: Familiäre Einweisungsargumentationen in der Bundesrepublik 239
1.3 Ein zweischneidiges Schwert: Arbeit in den Einweisungsargumentationen der DDR 242
2. Das gesunde Selbst im Zweiten Weltkrieg, in der DDR und der Bundesrepublik 248
2.1 »Überarbeitung« in der Kriegszeit und der frühen Bundesrepublik 248
2.2 Arbeitsfähigkeit als Zeichen von Gesundheit im Zweiten Weltkrieg und der Bundesrepublik 252
2.3 Arbeitsfähigkeit und »Überarbeitung« in der DDR 256
2.4 Interpretation: Unterschiedliche Vorstellungen in Ost und West 261
3. Arbeit und Leistung aus ärztlicher Sicht zwischen 1941 und 1963 264
3.1 »Psychopathie« als Diagnose in der NS-Zeit 266
3.2 Managerkrankheit, »Psychopathie«, »Erschöpftsein«: Medizinische Deutungen von »Überarbeitung« in der Bundesrepublik 269
3.3 »Überarbeitete« Diagnostik: Ein neuer wissenschaftlicher Diskurs mit Folgen für die psychiatrische Praxis in der SBZ/DDR 278
4. Zusammenfassung: Arbeit und Leistung im Vergleich 292
Fazit 296
Dank 314
Anhang 316
Abkürzungen 318
1. Statistische Auswertung des Einweisungswegs 320
1.1. Tabellen Einweisungsweg 1941 bis Kriegsende 320
1.2. Tabellen Einweisungsweg Kriegsende bis einschließlich 1949 327
1.3. Tabellen Einweisungsweg 1950 bis 1955 332
1.4. Tabellen Einweisungsweg 1956 bis 1963 336
2. Weitere Statistische Auswertungen 341
Quellen- und Literaturverzeichnis 344
Quellen 344
Literatur 346
Register 364

Erscheint lt. Verlag 13.2.2017
Reihe/Serie Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft
Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft.
Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft.
Mitarbeit Herausgeber (Serie): Alexander Nützenadel, Gunilla Budde, Dieter Gosewinkel, Paul Nolte, Hans-Peter Ullmann
Zusatzinfo mit 56 Tab.
Verlagsort Göttingen
Sprache deutsch
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte Zeitgeschichte
Schlagworte Deutschland / 1945-1970 • Deutschland (DDR) /Geschichte • Deutschland /Geschichte • Deutschland/Nationalsozialismus • Nationalsozialismus • Psychiatrie • Zeitgeschichte (Fach)
ISBN-10 3-647-35200-4 / 3647352004
ISBN-13 978-3-647-35200-8 / 9783647352008
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