Die Wuchtbrumme (eBook)
124 Seiten
Verlag der Criminale
978-3-935877-79-4 (ISBN)
Die "Wuchtbrumme", eine Single-Frau unserer Zeit, schlägt sich durch Liebesabenteuer und Karrieredesaster. Doch angesichts seltsamer Todesfälle zweifelt sie an ihrem Verstand.
Die "Wuchtbrumme" ist eine Single-Frau unserer Zeit. Vollschlank und kodder-schnäuzig schlägt sie sich durch Liebesabenteuer und Karrieredesaster, ohne sich von echten oder eingebildeten Katastrophen unterkriegen zu lassen. Doch angesichts seltsamer Todessfälle, die sich in ihrem Alltag ereignen, zweifelt das sonst so toughe Alt-Girlie allmählich an seinem Verstand: Ein Ex-Lover wird gepfählt aufgefunden, anderntags stürzt eine unliebsame Nachbarin bei der Kehrwoche die Treppe hinunter.
Mord, Totschlag oder Paranoia? Die überschaubare Welt der schwäbischen Provinzhauptstadt erscheint plötzlich in einem neuen, mörderischen Licht.
Die Autorin
Tatjana Kruse arbeitet als Autorin und Übersetzerin in Stuttgart. Ihre mörderischen Gelüste lebt sie auf dem Papier aus – seit 1995 veröffentlicht sie Kriminalgeschichten, von hardboiled bis skurril. Neben einigen anderen Auszeichnungen erhielt sie 1996 den »Marlowe« der Raymond-Chandler-Gesellschaft für den besten deutschen Kurzkrimi. Sie ist Mitglied bei »Sisters in Crime« und im »Syndikat«.
Inhalt 6
Dies Natalis Horribilis 8
Semper fi delis 18
Porentief rein 25
Horrortrip der Untoten 32
Semper idem 35
Oleum et operam perdidi 39
Quaestio juris 45
Tempus fugit 53
Verdammt, wer hat das Skript gestohlen?! 63
Finem respice 68
Perfer et obdura 72
Amantes, amentes 82
Pia fraus 87
Non olet 92
Errare humanum est 102
Dira necessitas 110
Nää, watt die Zeit vergeht … 115
Danksagung 124
Perfer et obdura (S. 71-72)
Ertrage und halte aus … na ja, was auch sonst, außer man gibt sich das Erfrischungsstäbchen
Heute möchte ich mich mal über gute französische Restaurants in Deutschland und platonische Freundschaften zwischen Männern und Frauen auslassen. Beides gehört ja angeblich ins Reich der Fantasie. Nun, bei mir um die Ecke gibt es ein her vorragendes französisches Restaurant, und wenn ich mir nicht gerade vor dem PC mein Geld verdiene oder bei meinem Stammkneipier Gerd mein Kilkenny kippe, dann sitze ich wie festgeleimt auf meinem Stammplatz im Le Parigo, krümele wie eine Weltmeisterin auf die Papiertischdecke – auf der ich nur so viel Platz lasse, dass Henri hinterher die Rechnung darauf ad dieren kann – und stippe mein Baguette in die Weinberg schneckensoße. Schon am Zucken meiner linken Augenbraue erkennt Henri, wann Nachschub des köstlichen hauseigenen Beerentropfens angesagt ist.
Wobei »Henri« nur sein kellnern der Künstlername ist, in Wirklichkeit heißt er Uwambajimana und kommt aus den »Kolonien«, wie er selbst sagt. Und am allerliebsten gehe ich natürlich mit einem echten Franzosen zum »Franzosen«. Schon deshalb, weil ich kein Französisch und Henri kein Deutsch kann, da braucht’s einen Dolmetscher, wenn ich kein »Zitteraalgratin« oder Ähnliches auf dem Teller vorfi nden will. Der Haken an der Sache: Zeigen Sie mir mal einen in Deutschland lebenden Franzosen, der gern französisch essen geht. Wenn ein Franzose gern französisch es sen geht, dann bleibt er in Nuit-sur- Bonne oder in Paris oder wo immer er herkommen mag. Zu uns nach Stuttgart ziehen nur die magenmutierten Heimatfl üchtigen, die lieber indisch essen und – Frechheit – mit den Jahren lernen, ohne diesen zückenden accent zu zu sprechen.
So ist es bei Jacques auch. Jacques ist ein ganz lieber Kerl und – wir kommen jetzt zum platonischen Teil der Geschichte – mein bester Kumpel. Er ist »Kulturschaffender«, was in seinem konkreten Fall heißt, dass er für so gut wie kein Geld in einem Kleintheater als Mädchen für alles arbeitet. Ich zwinge ihn nicht, die von mir übersetzten Bücher zu lesen, und er verlangt nicht von mir, eine der experimentellen Aufführungen seiner Bühne zu besuchen.
So kommen wir bestens miteinander aus. Ansonsten läuft nix zwischen uns. Mir ist Jacques viel zu knuddelig – mit seinen roten Wallelocken und dem Rausche bart erinnert er mich an meinen alten Teddy. Wer will schon Sex mit seinem alten Teddy? Außerdem liebt Jacques Sylvie. Dum merweise liebt Sylvie alles andere mehr als den guten Jacques, weswegen seine gletscherblauen Johnny-Halliday-Augen im mer ein wenig melancholisch dreinblicken. Aber das ist ja für einen Kulturschaffenden gar nicht so schlecht. »Du musst mir einen Gefallen tun.«
Jacques geht grundsätzlich nur dann mit mir ins Le Parigo, wenn ich ihm einen Gefallen tun soll. »Wir haben morgen Abend eine Krimilesung – Kristiane Plön. Sie hat darum gebeten, dass man sie vom Flughafen ab holt.« Ich hätte mich beinahe an meiner Zwiebelsuppe verschluckt. »Seit wann könnt ihr es euch leisten, jemand einfl iegen zu las sen?« »Sie kommt direkt aus dem Urlaub zu uns. Wir bezahlen dann nur die Bahnfahrt zurück nach Köln.« Jacques rührte in seiner Consommé. »Eigentlich wollte Uschi das machen, aber sie ist gestern Abend mitten in Warten auf Godot von der Bühne gefallen und hat sich den Knöchel gebrochen.« Er klang, als hätte Uschi das mit Absicht getan. Und seit wann gibt es in Warten auf Godot eine Frauenrolle? Na, besser nicht nachha ken. »Ich hätte es ja gern selbst übernommen«, fuhr Jacques fort, aber ich muss mich um den Ton kümmern. Da stimmt irgend was nicht mit unseren Mikros, und ohne Mikro kann sie natür lich nicht lesen. Und das Licht spinnt auch.« Jacques’ Bart zitterte. Dieses Zittern kannte ich: Jacques stand kurz davor, in Tränen auszubrechen. In jedem Kultur schaffenden steckt eine Diva. Ich sagte also zu.
| Erscheint lt. Verlag | 1.1.2003 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| ISBN-10 | 3-935877-79-X / 393587779X |
| ISBN-13 | 978-3-935877-79-4 / 9783935877794 |
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