No worries, mate! (eBook)
376 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7597-9326-3 (ISBN)
Carolin Betten, geboren 1993, wächst in einer Kleinstadt zwischen Ruhrpott und Sauerland auf. Nach dem Abschluss der Realschule schließt sie eine Ausbildung zur Industriekauffrau ab und arbeitet für mehrere Jahre bei einem erfolgreichem Unternehmen in ihrem Heimatort. Ihre Depressionen bringen die Erinnerung zurück, dass sie schon immer reisen wollte. Im Jahr 2016 kündigt sie ihre Arbeitsstelle und zieht los in die weite Welt. Erst sechs Jahre später kehrt sie in ihren Heimatort zurück und eröffnete im Jahr 2024 ihr eigenes Yoga Studio.
1.2. Ankunft in Down Under
Nach drei Tagen hatten wir es endlich geschafft: Wir waren in Sydney gelandet! Ich zog meinen Koffer durch die Schleusen des Flughafens und bestaunte die riesigen Bilder von Kängurus, Koalas und bunten Riffen. Ich konnte es nicht erwarten, endlich all diese Tiere und den roten Sand mit meinen eigenen Augen zu sehen und mit meinen Sinnen zu erkunden. Es erwarteten uns allerdings zunächst zehn Tage in der Großstadt, um eine Steuernummer zu beantragen, ein Bankkonto zu eröffnen und eine Simkarte zu erwerben, bevor es auf Erkundungstour des Outbacks gehen konnte. Ich blickte auf eine riesige, bunte Stadtkarte, welche die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abbildete, während wir auf der Rolltreppe standen und dem blauen Schild mit der Aufschrift “Trains” folgten. Wir benötigten eine aufladbare Underground Karte, mit der wir alle Züge, Busse und Straßenbahnen in Sydney nutzen konnten. Diese gab es ganz einfach an einem Schalter. Ich bezahlte aufgeregt zum ersten Mal mit meiner Kreditkarte und war froh, dass sie auch am anderen Ende der Welt funktionierte. Das Ticket in die Stadt kostete uns schlappe 20 AU$. Ich hoffte, dass die Busse in der City erschwinglicher waren. In welchen Zug wir steigen mussten, war glasklar: Es gab nur zwei Plattformen. Plattform 1 führte in die Stadt und Plattform 2 in weiter entfernte Außenbezirke. Die fette 1 zeigte: Wir sind richtig. Nur eine halbe Stunde später standen wir in der City. Ich war beeindruckt von dieser neuen Welt und drehte mich im Kreis, während ich meinen Kopf in den Nacken legte, um das bis in den Himmel ragende Bild der Stadt zu sehen. Die dreistöckigen 6-Familienhäuser aus meiner Heimat, die wir als “Hochhäuser” bezeichneten, waren nichts im Vergleich zu diesen Wolkenkratzern. Ein bisschen war ich zwar vor diesem Trip gereist, aber besonders viele große Städte hatte ich bisher nicht besucht. Ein All-Inclusive Hotel in der Türkei, Ägypten und Mexiko. Leif und ich waren mit meinem Citroen C1 bis nach Kroatien gefahren und letzten Sommer haben wir einen Roadtrip um Island gemacht. Ein einziges Mal hatte ich einen Citytrip nach London mit meinem ersten Freund gemacht, erinnerte ich mich zurück. Das war Jahre her.
Unser Ziel war das Mad Monkey Hostel. Obwohl es sicherlich um die 100 Hostels in Sydney gibt, fiel uns die Entscheidung bei der Buchung über eine populäre Website ein paar Monate zuvor nicht allzu schwer. Die meisten Hostels waren ohnehin ausgebucht, denn im Januar ist die Hauptferienzeit in Australien und zum “New Years Eve” lockt es besonders viele Reisende sowie Einheimische in die große Stadt. Letztendlich entschieden wir uns für ein mittelpreisiges Hostel, welches nicht gleich unsere ganzen Ersparnisse fraß, aber auch nicht mit “Absolut schrecklich!”, “Achtung Bettwanzen!” oder “Ekeligstes Badezimmer ever!” kommentiert wurden. Wir hatten einen Screenshot der Wegbeschreibung auf unserem Handy gespeichert, denn eine Simkarte hatten wir noch nicht und somit konnten wir zunächst auch nicht googeln. Mit diesem Foto kamen wir jedoch nicht weiter. “Habt ihr euch verlaufen?”, fragte ein netter Herr in Anzug. “So ähnlich.”, gaben wir zu. Australier boten ihre Hilfe an, bevor man sie überhaupt danach fragte. “Wir sind auf dem Weg ins Mad Monkey Hostel“, erklärte Ina. Zufälligerweise kannte der Mann genau dieses Hostel und erklärte uns ohne Umschweife den Weg. Allerdings mussten wir den Bus nehmen, doch er verriet uns die Namen des Busses und unsere Zielhaltestelle. Ina notierte beides und wir bedankten uns. Doch der nette Herr winkte mit einer Handbewegung ab: “Aw, no worries, mate!”, was so viel heißt wie: “Keine Sorge, kein Problem, mein Freund!” In Australien gab es keine Probleme. Nur Lösungen, wenn man doch mal in der Patsche saß. Doch auch dann: immer ohne Grund, besorgt zu sein.
Das Bussystem war längst nicht so einfach zu verstehen wie das der Züge. Eine Haltestelle hatte mehrere Abschnitte und einen Busplan gab es nicht. Ein paar Zahlen und Buchstaben auf dem großen Haltestellenschild waren alles. Zwar stand eine Zahl und die Endstation auf den vorbeifahrenden Bussen, aber für uns war es nicht ersichtlich, an welchen von den vielen Abschnitten sie halten würden und wo wir uns am besten platzierten, um unseren Bus nicht zu verpassen. Ob die Menschen, die hier lebten, einfach wussten, wo die Busse hielten? Wir mussten jemanden um Rat fragen. Ein Mann im Anzug lachte lauthals in sein Telefon und lief schnurgeradeaus auf einen Abschnitt der Haltestelle zu, an dem er nur eine Minute später in den Bus stieg. Eine Gruppe Schüler, die vermutlich noch immer die Grundschule besuchten, alberte herum und stoppte neben dem Schild mit dem Aufdruck “C”. Niemand sah suchend aus, alle kannten den Weg, nur wir standen dort mit einem riesigen Fragezeichen im Gesicht. Es machte mir nichts aus, dass wir ein bisschen verloren waren, es fühlte sich nach Abenteuer an. Schließlich hielt Ina einer wartenden Frau ihr Smartphone unter die Nase und fragte, ob sie wisse, wo dieser Bus abfährt. Höflich und präzise erklärte sie uns, dass wir die Straßenseite wechseln mussten und am Abschnitt E warten sollten, es dauerte höchstens zehn Minuten bis der nächste Bus kommen würde.
Während uns besagter Bus dann tatsächlich ans Ziel brachte, klebte ich quasi an der Fensterscheibe, um ja keine Aussicht zu verpassen. Ich war müde von der langen Anreise und hellwach vor Aufregung und den neuen Eindrücken zur gleichen Zeit. Es war zehn Uhr morgens in Sydney, also mitten in der Nacht in Deutschland, als wir endlich das Hostel erreichten und ich lautstark meinen Koffer die steilen Holztreppen hinauf bugsierte. Der Fauxpas, ohne einen Rucksack auf dieses Abenteuer zu gehen, sollte mich weiterhin begleiten. Unsere Freude am Mad Monkey angekommen zu sein hielt jedoch nicht lange an. “Ina… Carolin… I’m sorry, but I don’t have any booking in these names”, sagte die Rezeptionistin mitleidig. Mein Englisch war zwar ziemlich schlecht, aber das hatte ich dann doch verstanden. Es gab keine Buchung auf unseren Namen. Mist! Doch da sich bisher alles irgendwie gefügt hatte, blieb ich ruhig. Das war also bereits das erste Learning des Trips. Schnell stellte sich heraus: Wir waren am falschen Mad Monkeys gelandet, das Hostel gab es gleich zwei Mal. Wir loggten uns in das WiFi ein und gaben das korrekte Ziel in die Suchmaschine ein. Noch einmal machten wir uns auf den Weg. Google Maps zeigte an, welche Linie wir nehmen mussten und an welchem Abschnitt wir warten mussten. Als wir nach einer halben Stunde wieder aus dem Bus stiegen und es nur noch drei Minuten Fußweg waren, bemerkten wir, dass wir uns ganz genau dort befanden, wo wir vorhin in der City gestartet waren. Na ja, so hatten wir wenigstens schon einen ersten Eindruck von der Stadt bekommen und der war: Amazing!
Im richtigen Hostel angekommen wurden wir an der Rezeption vom jungen, kanadischen Hostelmanager begrüßt. Er war leicht dunkelhäutig, mit einem wilden Afro und bunten Klamotten. Das fand ich irgendwie cool, verstand nur kaum etwas von dem, was er sagte. Schnell stellte ich fest, wie sehr mir die Praxis Englisch zu sprechen fehlte. Die letzten Jahre im Büro hatte ich keine Fremdsprachen anwenden müssen. Meine Sorge, niemanden wirklich verstehen zu können, bestätigte sich also. Die Leute sprachen entweder einen Akzent, den ich nicht verstand, oder sie stellten eine Frage mit Vokabeln, die ich nicht kannte. Ein einfacher Satz wie: “Wo kommst du her?”, konnte schon schwierig für mich sein. Der Kanadier sprach Aussie Slang mit einem kanadischen Akzent und außerdem unglaublich schnell. Seinem Lachen und seiner Körpersprache war abzulesen, dass er den ein oder anderen Witz machte. Einmal schlug er mir spielerisch mit der Faust gegen den Arm und seinem “Yeah?” entnahm ich, dass er eine Bestätigung von mir erwartete. Ich stimmte gackernd zu, obwohl ich keinen blassen Schimmer hatte, worüber wir redeten. Doch eines stand fest: Wir verstanden uns auch ohne Worte. Mein Lachen war nicht gespielt, dieser Typ war wirklich witzig und ich entschied, dass es keine Rolle spielte, wieso. Nach ein paar Minuten Smalltalk kamen drei britische Partymäuse in einem Hauch von Nichts dazu und beteiligten sich am Gespräch. Scheinbar kamen sie gerade von einem Drink in der Stadt zurück. Ich verstand rein gar nichts. Automatisiert wiederholte ich abwechselnd ein: “Ah, yes!”, “Alright” oder setzte ein Lächeln mit einer Kopfbewegung ein. Bei meiner Wahl orientierte ich mich vor allem an Inas Reaktion. Ich brauchte eine Pause und freute mich, als wir endlich zu unserem Zimmer begleitet wurden.
“Ach du Scheiße, wie sieht es denn hier aus?”, schoss es mir direkt durch den Kopf und ich meinte, auch Inas Gedanken zu hören. Eigentlich sah das Zimmer ja genau so aus, wie auf den Bildern. Aber eben auch nur eigentlich. Auf dem Fußboden war weder Platz für meinen Koffer, noch für Inas Backpack. Gepäckstücke, Kulturbeutel, sowie deren Inhalt, Kleidung (JA – auch Socken und Unterwäsche) und Getränkeflaschen lagen im Zimmer verteilt, sodass von dem krümeligen und verhaarten Teppich kaum etwas zu...
| Erscheint lt. Verlag | 28.10.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Schlagworte | Abenteuer • Backpacking • Freiheit • Reiseführer • Work and Travel |
| ISBN-10 | 3-7597-9326-6 / 3759793266 |
| ISBN-13 | 978-3-7597-9326-3 / 9783759793263 |
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