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Einem Fremden überlassen (eBook)

Sophienlust Bestseller 201 – Familienroman

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025
100 Seiten
Blattwerk Handel GmbH (Verlag)
978-3-69049-305-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Einem Fremden überlassen - Bettina Clausen
Systemvoraussetzungen
3,49 inkl. MwSt
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Der Sophienlust Bestseller darf als ein Höhepunkt dieser Erfolgsserie angesehen werden. Denise von Schoenecker ist eine Heldinnenfigur, die in diesen schönen Romanen so richtig zum Leben erwacht. Das Kinderheim Sophienlust erfreut sich einer großen Beliebtheit und weist in den verschiedenen Ausgaben der Serie auf einen langen Erfolgsweg zurück. Denise von Schoenecker verwaltet das Erbe ihres Sohnes Nick, dem später einmal, mit Erreichen seiner Volljährigkeit, das Kinderheim Sophienlust gehören wird. »Wisst ihr, was ich glaube?« Nick drehte sich zu den anderen Kindern um. »Was denn?«, fragte Pünktchen, die neben ihm ging. »Dass unser Oberförster sich gar nicht so besonders wohlfühlt.« »Der alte Bullinger?«, staunte Pünktchen. »Aber er hat sich doch so darauf gefreut, wieder einmal als Förster arbeiten zu können, wenn auch nur als Aushilfe. Schon seit Wochen erzählt er uns, wie sehr er sich darauf freut, dass er seinen jungen Kollegen während des Urlaubs vertreten kann.« »Das stimmt!«, rief Fabian. Er löste sich aus der Gruppe der Kinder, die hinter Nick und Pünktchen ging und kam nach vorn. »Er konnte den Tag, an dem die Schröders mit Andy in Urlaub fuhren, gar nicht erwarten.« »Ich weiß.« Dominik nickte. »Aber ihr habt doch heute selbst gesehen, wie lustlos er herumläuft.« »Wenn ihr mich fragt, dann kommt er sich einsam und verlassen vor«, mischte sich nun Vicky in das Gespräch ein. »Und soll ich euch auch sagen warum?« Die Kinder schauten sich fragend an.

»Wisst ihr, was ich glaube?« Nick drehte sich zu den anderen Kindern um.

»Was denn?«, fragte Pünktchen, die neben ihm ging.

»Dass unser Oberförster sich gar nicht so besonders wohlfühlt.«

»Der alte Bullinger?«, staunte Pünktchen. »Aber er hat sich doch so darauf gefreut, wieder einmal als Förster arbeiten zu können, wenn auch nur als Aushilfe. Schon seit Wochen erzählt er uns, wie sehr er sich darauf freut, dass er seinen jungen Kollegen während des Urlaubs vertreten kann.«

»Das stimmt!«, rief Fabian. Er löste sich aus der Gruppe der Kinder, die hinter Nick und Pünktchen ging und kam nach vorn. »Er konnte den Tag, an dem die Schröders mit Andy in Urlaub fuhren, gar nicht erwarten.«

»Ich weiß.« Dominik nickte. »Aber ihr habt doch heute selbst gesehen, wie lustlos er herumläuft.«

»Wenn ihr mich fragt, dann kommt er sich einsam und verlassen vor«, mischte sich nun Vicky in das Gespräch ein. »Und soll ich euch auch sagen warum?«

Die Kinder schauten sich fragend an. Nick aber antwortete: »Weil ausgerechnet jetzt auch noch seine Frau nicht da ist und das Hausmädchen auch nicht.«

Vicky nickte. »Der alte Bullinger ist einfach nicht mehr gewohnt, allein zu sein.«

»Ist ja auch nicht so besonders schön, so ganz allein in dem großen Forsthaus mitten im Wald zu sitzen«, erklärte Henrik altklug.

Nick schaute seinen kleinen Bruder an. »Als Oberförster ist er doch daran gewöhnt, allein zu sein. Schließlich war er ja die ganzen Jahre, bevor sein Nachfolger kam, allein.«

»Aber er hatte immer seine Frau und Meta bei sich«, hielt Pünktchen ihm entgegen. »Hast du nicht gehört, dass er gesagt hat, ausgerechnet jetzt muss die Frieda nach Stuttgart fahren?«

Die Kinder hatten nun das Kinderheim Sophienlust erreicht. Die Debatte wurde unterbrochen und der alte Oberförster, der ganz allein in dem großen Forsthaus saß, vorübergehend vergessen.

*

Das einsame Forsthaus stand mitten im Wald. Normalerweise beherbergte es zwei Familien. Den pensionierten Oberförster Wilhelm Bullinger mit seiner Frau Frieda, dem Hausmädchen Meta sowie das junge Försterehepaar Schröder. Sabine und Klaus Schröder hatten einen kleinen Sohn. Aber vor vier Tagen waren sie in Urlaub gefahren. Mit ihrem Sohn Andy. Frieda Bullinger war zwei Tage danach nach Stuttgart gerufen worden. Zu ihrer kranken Schwester. Und Meta hatte schon vorher Urlaub genommen.

Alleingeblieben machte dem Oberförster das Leben keine rechte Freude mehr. Die ihm noch einmal übertragenen Pflichten erfüllte er gewissenhaft. So machte er auch an diesem Abend, nachdem die Kinder nach dem Besuch bei ihm nach Sophienlust zurückgekehrt waren, seinen Rundgang. Seufzend fuhr er sich dabei durch den langen weißen Bart. Wie einsam und ruhig es ist, dachte er. Dann fasste er einen Entschluss. Am nächsten Morgen wollte er seine Frau in Stuttgart besuchen. Nur für ein paar Stunden. Frieda würde sich bestimmt freuen. Und für ihn würde es eine Abwechslung sein.

Sehr früh am nächsten Tag machte sich der alte Mann auf den Weg. Er ging zu Fuß nach Sophienlust und erreichte dort gerade noch rechtzeitig den Schulbus. Gemeinsam mit den Schulkindern fuhr er nach Maibach. Denise von Schoenecker, die an diesem Morgen zufällig in Sophienlust gewesen war, versprach ihm, ihn am nächsten Abend vom Bahnhof in Maibach abholen zu lassen.

Der gute Oberförster ahnte nicht, dass die Rückfahrt von Stuttgart nach Maibach für ihn zu einem Abenteuer werden würde. Da er ein Kindernarr war, setzte er sich in ein Abteil mit zwei kleinen Mädchen. Nur die Mutter der Kinder saß noch in diesem Abteil. Eine sehr hübsche junge Frau.

»Ist bei Ihnen noch ein Platz frei?«, erkundigte sich der Oberförster höflich, obwohl das ganze Abteil leer war.

Hanne Reyer nickte. Rasch sorgte sie dafür, dass die beiden kleinen Mädchen den Fensterplatz frei machten. Denn sie nahm an, dass der Fremde sich gern ans Fenster setzen würde. »Biggy, Lissy, setzt euch hierher neben mich«, forderte sie ihre beiden Töchter auf.

»Aber, das sind ja Zwillinge«, platzte der Oberförster heraus. Staunend betrachtete er die Kinder, die einander aufs Haar ähnelten. Sie trugen beide rosa Kleidchen und im Haar eine rosa Schleife.

Hanne Reyer musste lächeln, obwohl ihr eigentlich gar nicht danach zumute war. »Biggy und Lissy sind Zwillinge«, bestätigte sie.

Die beiden Mädchen spürten sofort, dass sie im Mittelpunkt des Interesses standen. Eifrig rutschten sie wieder von ihrem Sitz und kamen zu dem alten Oberförster. Der tätschelte ihnen gerührt die Wangen und fragte: »Wie alt sind sie denn?«

»Sie sind drei Jahre alt.« Hanne nannte auch die Namen der Mädchen. Biggy und Lissy.

»Das sind aber seltsame Namen.« Wihelm Bullinger schaute die junge Frau fragend an.

»Eigentlich heißen sie Brigitte und Elisabeth. Aber weil es kürzer und einfacher ist, nennen wir sie Biggy und Lissy.«

Oberförster Bullinger nickte. Brigitte und Elisabeth waren Namen, die er akzeptieren konnte. Damit wusste man wenigstens, woran man war. Aber er versuchte es auch einmal mit den Abkürzungen. »Biggy?«, fragte er aufs Geratewohl.

Eines der Mädchen hob den Kopf.

»Dann bist du wohl Lissy?«, wandte sich der alte Mann an das zweite Mädchen.

Die Kleine nickte. »Bin ich!«

Wie reizend sie sind, dachte der Oberförster. Er wagte es nun, eines der Mädchen auf seinen Schoß zu nehmen.

Die junge Frau hatte nichts dagegen einzuwenden. Dass der Fremde Kinder gern hatte, war nicht zu übersehen. Hanne war sogar froh, dass er die Zwillinge ein wenig ablenkte. So konnte sie sich ihren Gedanken hingeben. Die waren leider bedrückend und quälend. Sie trieben ihr die Tränen in die Augen. Schnell wandte sie sich ab und fuhr sich beschämt über die Augen. Was musste dieser Fremde nur von ihr denken?

Doch Oberförster Bullinger empfand nur Mitleid. Er hatte sehr wohl die verstohlene Geste gesehen. Am liebsten hätte er die sympathische junge Frau geradeheraus nach ihrem Kummer gefragt. Aber das wagte er nicht. So beschloss er, ein wenig von sich selbst zu erzählen. Vielleicht würde das die Unglückliche aus ihrer Reserve locken.

Das Mädchen auf seinem Schoß wurde unruhig. »Möchtest du wieder herunter, Lissy?«

»Es ist Biggy«, korrigierte die Mutter.

Wilhelm Bullinger schaute von dem einen Kind zum anderen. »Wie können Sie die beiden bloß auseinanderhalten?«, fragte er. Die Mädchen glichen einander wie ein Ei dem anderen.

»Mit der Zeit entdeckt man doch winzige Unterschiede«, erklärte Hanne. »Biggy zum Beispiel lutscht gern am Daumen, und sie ist auch nicht ganz so lebhaft wie Lissy.«

»Das sind aber keine optischen Merkmale«, meinte der Oberförster. »Ich glaube, ich könnte die beiden nicht auseinanderhalten.« Plötzlich erinnerte er sich, dass er sich noch nicht einmal vorgestellt hatte. Schnell holte er das nach.

Auch Hanne stellte sich vor. Dann erkundigte sie sich: »Wohnen Sie in einem richtigen Forsthaus?«

»In einem ganz echten. Und noch dazu mitten im Wald.« Bullinger begann von der herrlichen Umgebung Sophienlust zu schwärmen.

Hanne Reyer hatte ihm aufmerksam zugehört. »Und Sie sind dort wirklich ganz allein?«

Der Oberförster nickte. »Jedenfalls im Moment. Ursprünglich hatte ich mich sehr darauf gefreut, aber jetzt wird es mir doch ein wenig zu einsam.« Er fuhr sich durch seinen langen weißen Bart.

»Bist du der Nikolaus?«, wollte Lissy nun wissen.

Der Oberförster musste lachen. Und Hanne lachte mit ihm, obwohl es bei ihr eine sehr gequälte Heiterkeit war.

Oberförster Bullinger zog das Mädchen auf seinen Schoß. Aber wieder wusste er nicht, war es nun Biggy oder Lissy. »Lissy?«, fragte er.

Die Kleine nickte.

»Richtig geraten«, freute er sich. Doch als er in die unglücklichen Augen der jungen Mutter blickte, verging ihm die Freude sofort wieder.

Schon wollte der Oberförster Hanne Reyer nach ihrem Kummer fragen, da begann sie unerwartet von selbst zu sprechen. »So ein verstecktes einsames Forsthaus wäre der richtige Platz für meine Kinder.«

Oberförster Bullinger wusste nicht, wie er das verstehen sollte. »Sie meinen, Sie würden sich mit Ihren Kindern gern dort erholen?«

»Nicht erholen«, widersprach Hanne ungeduldig. »Verstecken möchte ich meine Kinder.«

Der alte Mann erschrak. »Verstecken?«

Wilhelm Bullingers ehrliche Augen baten um eine Antwort.

Da begann Hanne schließlich zu sprechen. Schnell und überstürzt. »Ich bin geschieden. Die Kinder sind mir zugesprochen. Das war bisher auch völlig in Ordnung. Doch nun ist meine Schwiegermutter gestorben. Sie hat ihr ganzes Vermögen den Zwillingen vermacht. Mein geschieder Mann soll das ganze Vermögen nur bis zum einundzwanzigsten Geburtstag der Mädchen verwalten. Aber das genügt ihm nicht. Er will das ganze Vermögen für sich. Das versucht er auf dem Umweg über die Kinder zu erreichen.«

»Und deshalb werden die armen Kinder herumgestoßen.« Bullinger streichelte die rotblonden Locken der Zwillinge. Gleichzeitig erwachte in ihm Zorn gegen den egoistischen Vater, der seine eigenen Kind, dazu benutzen wollte, über sie in den Genuss des Erbes zu kommen.

Während der Oberförster mit diesem Gedanken beschäftigt war, achtete er nicht auf Hanne Reyer. Er erschrak, als sie plötzlich aufsprang. Der Zug war soeben zum Stehen gekommen. Schnell schaute Oberförster Bullinger aus dem Fenster. Eine kleine Station, registrierte er. Wo wollte die junge Frau denn hin?

Hanne Reyer wusste ganz genau, was sie wollte. Sie stieg aus dem Zug...

Erscheint lt. Verlag 6.5.2025
Reihe/Serie Sophienlust Bestseller
Verlagsort Hamburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Familiengeschichte • Familienroman • Familiensaga • Familienzwist • Heimatroman • Liebesgeschichte • Mami • Martin Kelter Verlag • Patricia Vandenberg • Sonnenwinkel • Sophienlust
ISBN-10 3-69049-305-6 / 3690493056
ISBN-13 978-3-69049-305-5 / 9783690493055
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